Es ist mein Allererster.

Es ist 10 Uhr 55. Wir stellen uns hinten in der Schlange an. Ich bin ein bisschen nervös, frage mich wie es sein wird. Es ist mein Allererster. Und das obwohl die Pandemie nun schon fast 12 Monate dauert. Die Schlange setzt sich in Bewegung. Im Vorbeigehen bekommen wir mit einer kleinen Zange eine FFP2 Maske ausgehändigt. Das Aufsetzen mit Stirnband, Schal und dicker Winterjacke ist nicht einfach. Die Schlange bewegt sich immer schneller vorwärts und im nächsten Moment bekomme ich einen Zettel mit Infos in die Hand gedrückt. Zeit ihn zu lesen habe ich nicht, wir sind schon um die nächste Ecke und müssen Hände desinfizieren. Danach rein in die Halle und der gelben Linie folgen. Ich filme meine Füße, wie ich auf der Linie gehe – darf man eigentlich nicht, lese ich kurze Zeit später auf dem Zettel, den ich nun für ein paar Sekunden überfliegen kann. „Gehören Sie zusammen?“ fragt ein freundlicher Mann meinen Verlobten und mich. Wir bejahen und werden zu Testteam 19 gelotst. Zettel, E-Card und Ausweis abgeben und kurz warten. Der Frau vor mir schaue ich lieber nicht zu, beschließe ich. Eine knappe Minute später bin ich auch schon dran. Ich setze mich auf den Plastiksessel. Der junge Bundesheersanitäter in der Ganzkörpermontur, desinfiziert sich seine, in zwei Paar Plastikhandschuhe eingepackten, Hände und fragt mich wie es mir geht. Mir ist heiß und er fordert mich auf meine Jacke auszuziehen. „Sie sollen sich wohl fühlen!“, sagt er. Seine folgenden Fragen kann ich allesamt verneinen: „Hatten Sie schon einmal so einen Nasenabstrich?, Haben Sie Probleme mit der Nase?, Hatten Sie schon mal eine Nasen-OP?, Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente?“ Maske runter, Nase putzen, dann geht es los. Das dünne Stäbchen schiebt sich in meine Nase – ich spüre ein kurzes Stechen, meine Augen kneifen sich wie von selbst fest zusammen und ich verziehe das Gesicht. „Boah, das ist aber scheiß unangenehm“, denke ich in dem Moment als der Sani die Sekunden zu zählen beginnt: „..4, ..5,..“. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen wie ich es bis Sekunde 10 aushalten soll, wenn er das Stäbchen auch noch so beknackt hin und her dreht. Dann geht es doch schneller als gedacht und er zieht das Stäbchen vorsichtig wieder raus. Im selben Moment reicht er mir ein Taschentuch für die – laut ihm – Freudentränen. Ich bin ein bisschen benommen, ziehe meine Maske wieder über die Nase und stehe langsam auf. Kreislaufstark war ich noch nie. Während des Wartens auf das Testergebnis wippe ich auf dem X am Boden zum Liedwunsch von Testteam 17, der über das eigens eingerichtete Stadthallenradio gerade läuft und versuche herauszufinden, ob das Stäbchen nicht vielleicht doch noch immer in meiner Nase steckt. Ich suche Blickkontakt zu meinem Verlobten, der drei X weiter steht. An den Falten neben seinen Augen erkenne ich, dass er grinst. Ich schicke ihm ein paar Augenfalten zurück. Zirka 10 Minuten später erhalten wir unser Ergebnis und verlassen die Stadthalle über die grüne Linie. Es ist 11 Uhr 25.